|
BZ: Wann sind Sie zur Feuerwehr gegangen? Klumpp: Als ich zwölf Jahre alt war. Da hatten sie zu wenig Jungs und dann haben sie mit Mädchen angefangen. Die Jugendfeuerwehrler haben rumgefragt. BZ: Wie viele Mädchen haben damals zeitgleich mit Ihnen bei der Jugendfeuerwehr angefangen? Klumpp: Wir waren zu viert. Zwei haben mittlerweile aufgehört, eine ist zur Bundeswehr. BZ: Wie waren die Reaktionen auf die ersten Mädchen in der Feuerwehr? Klumpp: Am Anfang war es schwierig. Für die Jugendfeuerwehrler war das ganz normal, aber die älteren Herren waren skeptisch. Nach zwei, drei Jahren wurde es besser. Vielleicht auch, weil die gesehen haben, die bleibt dabei und es ist nicht nur eine Phase. BZ: Wie sind Sie mit dieser Skepsis umgegangen? Klumpp: Ich hab’s einfach gemacht und mir nicht so die Gedanken gemacht, was die Älteren sagen. Und bei den gleichaltrigen Jungs, da hat man einfach gewusst, die stehen hinter einem. Vor acht Jahren, mit 18, bin ich zu den Aktiven gekommen. Da waren die Kameraden auch erst zurückhaltend, aber mittlerweile ist es völlig akzeptiert. BZ: Was sind Ihre Aufgaben im aktiven Dienst der Feuerwehr? Klumpp: Ich bin Gruppenführerin und Leiterin der Jugendfeuerwehr. Als Gruppenführerin darf man eine Gruppe führen.
BZ: Macht das Spaß? Klumpp: Sonst würde ich es nicht machen, auf jeden Fall. BZ: Kann man als Frau alles machen bei der Feuerwehr? Klumpp: Nein, ich weiß, dass ich nicht alles machen kann. Die Maschinistenausbildung habe ich nicht, das ist nicht mein Bereich, das gebe ich auch offen zu. Dann müsste man den Führerschein machen für LKW und die großen Autos fahren. Ich sitz lieber nebendran. BZ: Gibt es nicht auch sehr schweres Gerät? Klumpp: Teilweise schon, aber man kann es schon machen. Ich mache auch Atemschutz. Da muss man fit bleiben. Wenn man ein Stück laufen muss und was rausträgt, kommt man schon ins Schwitzen. BZ: Waren an der Landesfeuerwehrschule, an der Sie einen Teil Ihrer Ausbildung erhielten, noch mehr Frauen? Klumpp: Ich war die einzige. Ich hatte ein Zimmer etwas abseits. Aber untereinander war ich völlig akzeptiert. In den ersten Tagen wurde man ein bissle angeschaut, aber dann war’s normal. BZ: Warum haben Sie die Ausbildung gemacht? Klumpp: Ich wurde gefragt, ob ich’s machen will, zumal ich die Jugendfeuerwehr führe. Dass man so eine Ausbildung macht, gehört, finde ich persönlich, einfach dazu. Als ich die Jugend von meinem Vorgänger übernommen habe, war schon klar, dass ich auf Lehrgang gehe. Ich stand auf der Warteliste. BZ: Was machen Sie im Dienst bei der Feuerwehr besonders gern, was können Sie im Kanon der Aufgaben besonders gut? Klumpp: Mit der Jugendfeuerwehr, mit Menschen kann ich gut. Aber das hat nicht unbedingt mit Feuerwehr zu tun. Im Ernstfall ist es eh egal. BZ: Haben Sie Kolleginnen bei den Aktiven? Klumpp: Nein, leider nicht. BZ: Sind welche in Aussicht? Klumpp: Ich hab zwei Mädels in der Jugendfeuerwehr. BZ: Was denken Sie, warum sind im aktiven Dienst der Feuerwehr so wenig Frauen?
"Ich denke, dass allgemein zu wenig Akzeptanz für die Arbeit der Feuerwehr da ist." (Feuerwehrfrau Yvonne Klumpp)
Klumpp: Ich weiß es nicht. Ich denke, dass allgemein zu wenig Interesse und Akzeptanz für die Arbeit der Feuerwehr da ist. Die meisten springen ab, bevor sie zu den Aktiven gehen, auch die Jungs. BZ: Dann ist die Arbeit in der Jugendwehr großteils für die Katz? Klumpp: Nein, es ist ja nicht nur Ausbildung, es soll ja auch Spaß machen. Und wenn sie nachher kein Interesse haben, hören sie besser auf.
BZ: Fühlen Sie sich als Exot in der Wehr? Klumpp: Nein. Ich will auch gar nicht so gesehen werden. Ich hab auch die gleiche Uniform an. Es geht um die Sache, nicht darum, ob ich weiblich bin.
Quelle: Badische Zeitung 22.09.2008
|